Construction Site

Die Ausstellung Construction Site wird am Freitag,
22.07.2011 um 19.00 Uhr eröffnet und zwei Wochen laufen.

Am Sonntag, 31.07.2011 um 16.00 Uhr findet ein Künstlergespräch statt. Der Dialog der beiden Kunsthistorikerinnen Nadia Ismail und Julia Ritterskamp mit den teilnehmenden Künstlern ermöglicht einen Diskurs zum Ausstellungsthema und über die gezeigten Werke.

Am Samstag, 06.08.2011 ab 19.00 Uhr wird mit einem Konzert der Düsseldorfer Musiker Pondskater und Graph die Ausstellung beendet.

Hans Peter Zimmer Stiftung
Ronsdorfer Str. 77a (ehm. CON-SUM), Düsseldorf.
Öffnungszeiten:
Do+Fr 16-20 Uhr
Sa+So 15-18 Uhr

Die Bausstelle als Materiallager, als Ort der Inspiration für bildende Künstler. Dies ist ein herausragendes Phänomen in der zeitgenössischen Kunst, dem sich die kommende Ausstellung von ex pe ze widmen wird.
Die Anfänge lagen vielleicht in der Verwendung von herkömmlichen Dachlatten, mittlerweile sind es jedoch Gerüste, Schalungsplatten, Paletten, Schläuche etc., die zum Einsatz kommen. Wird die Kunst zur ewigen Baustelle deklariert? Kunst als etwas, was nie „fertig“ sein darf, das nur in dem Moment des Unfertigen überdauern kann?
Brigitte Dams, Christian Forsen, Ilka Helmig, Alexander Hermanns, Kirsten Krüger, Kai Richter und Sebastian Wickeroth werden für zwei Wochen den Back-Raum auf dem Gelände der HPZ-Stiftung (ehem. CON-SUM Gelände) mit raumgreifenden und raumbezogenen Arbeiten bespielen. Sie alle nähern sich auf ihre Weise dem Thema Baustelle.

Brigitte Dams

Die Bildhauerin Brigitte Dams (*1965) arbeitet in eigenwilliger Formensprache mit Strukturen und Mustern, Verflechtungen und Überlagerungen. Visualisierte Gedankengänge finden ihre Entsprechung in „rohen“ Werkstoffen und Collagen von großer Zartheit. Objekte und raumgreifende Installationen entstehen aus Gurtbändern und Hartfaserplatten, Feuerwehr- und Fahrradschläuchen, denen eine kraftvolle Poesie innewohnt, ihrer sperrigen Erscheinung zum Trotz.

Christian Forsen

[...] Im Material unabhängig beweisen die Dinge ihr Recht auf stummen Dialog. [...] stellt aus Keramik, Holz und Kunststoff Skulpturen her, die so leicht wirken wie ein Pinselstrich im Raum [...] wird anscheinend ein lustiges wie schwermütiges aufeinandertreffen von „brauchbaren Gegenständen“ sein, wie nur Kunst sein kann, wie jeder Augenblick sein sollte. Wachstum wird es geben, so wie das Amen in der Kirche. [...] Dabei kann es vorkommen, daß ein Raum auch mal schwer zugestellt, der Weg verbarrikadiert wirkt. Dann beginnt der kleine Streit um den Platz mit dem Gezeigten, Gegenstand. [...] Nicht verwunderlich ist es, wenn die Dinge unsicher im Stand erscheinen, sie sind auf den Punkt, Standpunkt, gebracht. Das Gepolter droht im Kopf. [...] Man kann dem Werden der Plastik geradezu nachfühlen. Linien sind Latten, Farben sind Zustandspunkte. Was leicht wirkt kann schwermütig gemeint sein, was sich bedrückend liest ist mit Humor gemacht. [...] Kann Kunst die Energieprobleme lösen? Forsen versucht es wenigstens.
(zusammengetragen aus diversen Texten über C. Forsens Arbeit)

Ilka Helmig

Ilka Helmig (*1971) arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design und
lehrt als Professorin für visuelle Konzeption und Zeichnung an der FH Aachen.
Sie lebt in Köln und untersucht in ihrer Arbeit die Außenwelt, die sie an ihrer Oberfläche verhandelt.
Durch Nachahmung oder Kontextveränderung werden Bilder geschaffen, die ihre Ausdrucksweise im 2- und dreidimensionalen Raum formulieren. Die Raumbezogenen Installationen stellen Momentaufnahmen einer visuellen Untersuchung dar, in denen die Frage nach Chaos und Struktur oder Wissen und Wahrnehmen gestellt wird.

Alexander Hermanns

Alexander Hermanns (*1981) studiert an der Hbk in Braunschweig
und wohnt und arbeitet in Mönchengladbach. Sein bildhauerisches Werk
beschäftigt sich mit den Eigenschaften des Materials und dem Prozess der
räumlichen Transformation ausgewählter Fundstücke. Die Skulpturen spielen
mit der Balance des Objektes im Raum oder der Räumlichkeit des Objektes
selbst. Gezielt geometrische Dekonstruktion der Fundstücke ist der
Ausgangspunkt für den Prozess des Zusammenfügens in verfremdeter Form. Die
Ursprünglichkeit der Objekte bleibt jedoch meist in der Materialsprache
erhalten.

Kirsten Krüger

Kirsten Krüger (*1966 in Lübeck) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Plastiken thematisieren Bilder und Atmosphären aus dem kollektiven menschlichen Grundvokabular. In der Materialität und in der Bildfindung verwendet sie eine Symbolsprache, die ihr Geheimnis nicht über einen individuellen Code verschlüsselt, sondern in der Konzentration auf klar Erkennbares öffnet. Die verwendeten Materialien unterstützen in ihrer Beschaffenheit die Transformation der dargestellten Dinge.

Innerhalb dieses existenziellen Kontextes entsteht über die Symbolsprache ein Bezug auf Mythen und tradierte Bildfindungen, die jedoch nicht nachgestellt, sondern vom Betrachter assoziativ erschlossen werden. Die humane Qualität der dargestellten Orte wird zum Thema.

Kai Richter

Kai Richter baut dreidimensionale „Skulpturen“ in Kontakt und Auseinandersetzung mit den jeweiligen Raumgegebenheiten; er reagiert auf sie, verändert sie, akzentuiert sie – und macht so die Räume als Räume neu und anders erfahrbar.
Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der kunsthistorischen Begrifflichkeit, dass mit „Konstruktionen“ meist geistige Planungsleistungen gemeint sind und nicht die Prozesse des Zusammenfügens selbst, die materielle, körperliche und sinnliche Aktionen sind – so auch im bildhauerischen Werk von Kai Richter. Richter konstruiert im Wortsinne (lat. construere = bauen, errichten) seine Arbeiten; dabei geht es ihm nicht um Planerfüllung, sondern um ein freies Arbeiten mit den spezifischen Eigenschaften seiner Materialien und den Eigenheiten der Ausstellungsräume. Die Architektur ist das Paradigma des Konstruierens; dies gilt in gewissem Maße auch für Kai Richter. Was Konstruieren wirklich ist, kann man besser auf den Baustellen studieren als an den fertigen Bauwerken. (Peter Lodermeyer)

Sebastian Wickeroth

Die geometrische Form und gleichzeitig ihre Störung, Zerstörung und Deformation ist der Ausgangspunkt von Sebastian Wickeroths Kunst. Doch in Wirklichkeit zerstört Wickeroth hier nichts, er baut Zerstörung. Es kommt ihm nicht auf den Akt der Beschädigung an, sondern er konstruiert die dekonstruierte Form. Den Block von „strategie der steine 3“ hat er nicht durch einen Sturz zertrümmert, sondern schon in deformierter Form gebaut. Dabei thematisiert er gleichermaßen die strenge geometrische Form und ihre Deformation. (Tobias Hoffmann)

"Gestalt und Gestaltlosigkeit stehen sich gegenüber; werden eins.
Zerstörung setzt der Perfektion der Monochromie ein narratives Element entgegen.
Die ruinösen Bild-Raum-Studien suggerieren Logik und Kausalität von Ereignissen,
die sich so nie zugetragen haben.
Nicht gebaute Skulpturen werden zerstört, sondern zerstörte Skulpturen gebaut.
Scheinbar Zufälliges, Unkontrolliertes entpuppt sich als Inszenierung."

Abbildung: "the castle of discipline"